Wir haben bewusst als erstes das ‚pro’ gesetzt. Wir sind der Überzeugung, dass durch den Ausbau der erneuerbaren Energieressourcen wie Wind, Wasser, Biogas, Photovoltaik und Geo- und Solarthermie ausreichend Energiequellen erschlossen werden können, die einen Ausbau der Kohlekraftwerke in dieser Häufung in Deutschland nicht erforderlich machen und deren Bau den Zielen der Bundesregierung zur Senkung des CO2-Ausstoßes widersprechen. Nach einer Studie der Deutschen Umwelthilfe DUH1, ist bis 2020 nur ein Ausbau der Kraftwerkskapazität um 57 TWh erforderlich. Dies entspräche 7 Kraftwerken mit einer Leistung von 1.000 MW.
Gleichzeitig muss der CO2-Ausstoß neuer fossiler Kraftwerke auf 21 Mio t CO2/a begrenzt werden, um das Ziel der 30%-Senkung der CO2 Emission zu erreichen. Dieses Ziel ist aber nur dann erreichbar, wenn diese Kraftwerkskapazität mit Gaskraftwerken erzeugt werden würde.
Daraus folgt, dass der Ausbau der alternativen Energiequellen stärker gefördert werden muss.
Wir hören jeden Tag in den Medien von neuen Entwicklungen in der Energiegewinnung. Die Erzeugung erneuerbarer Ernergien führt zu einem Technologiesprung und fördert die Schaffung von Arbeitsplätzen.
Jetzt einige Worte zu den alternativen Energiequellen und den „Totschlagargumenten“ der Gegner und Zögerer.
Pro
1. Was macht ihr wenn kein Wind weht?
Der Ausbau der Windkraft erfolgt weitestgehend Offshore mit Nabenhöhen größer 100 m. Hier ist der Wind stetiger. Durch Vernetzung der verschiedenen Windparks kann mittels genauer Windvorhersagekarten eine stabile Versorgung sichergestellt werden. Nach einer Studie von Greenpeace2 sind von den Anrainerstaaten der Nordsee bis 2030 118 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 68.000 MW geplant. Die Vernetzung dieser Windkraftanlagen untereinander und die Weiterleitung nach Norwegen über verlustarme Hochspannungsgleichstromübertragung führt zu einem Energieausgleich mit der dortigen Wasserkraft. In windarmen Zeiten kann dann Strom von Norwegen ins deutsche Netz rückgeliefert werden.
2. Die Wasserkraft ist in Deutschland ohne Schädigung der Natur kaum noch ausbaufähig.
Neuere Entwicklungen im Bau von kleineren Wasserkraftwerken ermöglichen aber Anlagen im Nebenstromprinzip. Hier können die Fische an den Turbinen vorbei aufsteigen und damit entfällt das Risiko, dass die Fische in die Turbinen geraten. Diese Anlagen können in Serie gebaut werden und mindern so die Investitionskosten.
3. Kraft-Wärme-Kopplung/ Blockheizkraftwerke
Die Ausnutzung der Abwärme bei der Stromerzeugung ist der wichtigste Wärmeerzeuger der Zukunft. Als Beispiel: das geplante E.on Kraftwerk in Stade mit einer Abwärme von 1.250 MW könnte damit 300.000 Einfamilienhäuser mit Heizung und Warmwasser versorgen. Hier sind dezentrale Blockheizkraftwerke (BHKWs) bedeutend effektiver. Die Wärme kann in Nahwärmenetze eingespeist werden. Die heutige getrennte Art der Wärme und Stromerzeugung ist ein Anachronismus. Dezentrale BHKWs versorgen den Nahbereich, entlasten die Energienetze und können zu virtuellen Großkraftwerken zusammengeschaltet werden.
4. Virtuelle Großkraftwerke
Viele dezentrale kleine Anlagen, auch Biogasanlagen, können regelungstechnisch zusammen geschaltet werden. Die Technik ist vorhanden. Am Beispiel des Zusammenschlusses des Energieversorgers Lichtblick in Hamburg und VW, die den Gasmotor liefern kann hier ein großes Potential geschaffen werden. 100-Tausend BHKW's a 20 kW elektrisch und 34 kW thermisch ersetzen ein Kohlekraftwerk und ein heizkraftwerk wie Wedel und lassen sich bedeutend besser dem schwankenden Strombedarf anpassen.
5. Photovoltaik
Die Erzeugung von Strom mittels Solarzellen ist zur Zeit noch teuer, ist aber durch den gestützten Preis über das Energie-Einspeisegesetz EEG rentabel. Die enorme technische Entwicklung und die Preisreduktion durch Massenfertigung wird zu niedrigeren Investitionskosten führen. Die Investitionskosten werden jährlich um ca. 10 % reduziert.
6. Biogasanlagen
Hier erfolgt die Nutzung von Biomasse als Energiespender. In den Anlagen der 2. Generation wird die gesamte Biomasse, nicht nur die Ölsaaten, ausgenutzt. Das erzeugte Biogas wird mittels BHKWs genutzt, kann aber auch nach einer Reinigung direkt in die Erdgasnetze eingespeist werden. Die gute Regelbarkeit ist ebenfalls von Vorteil.
7. Effektive Energienutzung
Die Energieverschwendung durch Glühlampen, Stand-by-Betrieb von Rundfunk-, Fernsehgeräten und von Computern sind ein stark unterschätzter Energieverbraucher. Selbst die ungeregelte und überdimensionierte Heizungspumpe verbraucht 60 W zu viel, hier könnten 105 € pro Jahr und Haushalt eingespart werden.
8. Diverse Stromerzeugungsanlagen als Nischenprodukte
Der Stromkonzern RWE hat sich gerade bei einem Hersteller von Kleinstwindrädern eingekauft. Diese Anlagen lassen sich auf Bürobauten und Werkshallen errichten, sind Windrichtungsunabhängig und können mit einer Jahresenergiemenge von 10.000 KWh ein 20 Personen Büro versorgen.
9. Viele weitere Entwicklungen kommen täglich auf den Markt.
Kontra
1. Die Anhäufung von Kohlekraftwerken an der Unterelbe , 2 in Stade, 3 in Brunsbüttel, ein Doppelkraftwerk im HH-Moorburg, führt zu gravierenden Beeinträchtigungen der Natur und zu einer Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung durch die Emission von Feinstäuben, Schwermetallen, wie Quecksilber, Blei und Uran, sowie durch Dioxine, Furane und andere toxische Stoffe.
2. Neben den direkten Auswirkungen der Kühlwassernutzung auf die Gewässertemperatur stellt diese Nutzungsform auch noch eine weitere Belastung für das Gewässer dar, da mit dem entnommenen Wasser auch Biomasse (Phyto- und Zooplankton, Fischeier und -larven) in das Kühlsystem gelangt und zum großen Teil abgetötet wird. Gleichzeitig beschleunigt sich infolge der erhöhten Gewässertemperatur der Abbau der abgestorbenen Biomasse auf verkürzter Fliesstrecke. Beides führt zu einer verstärkten Sauerstoffzehrung im Emittentennah- und fernbereich, Hierbei spielt die Abnahme der Sauerstofflöslichkeit in Abhängigkeit von der Erwärmung des eingeleiteten Kühlwassers eine weitere wichtige Rolle.
3. Die Beeinträchtigung des Obstanbaus im Alten Land durch Verschiebung der Blütezeit
4. Die Attraktivität des Alten Landes für den Tourismus wird abnehmen.
5. Gefährdung der Anerkennung des Alten Landes zum Welterbe der UNESCO
6. Die Schaffung neuer Arbeitsplätze steht in keinem Verhältnis zur Gefährdung durch die Industrialisierung des Alten Landes.
7. Die Anbindung dieser Großanlagen an das vorhandene oder noch zu erweiternde Höchstspannungsnetz gefährdet die Sicherheit der Stromversorgung.
8. ... Resümee
Aus der längst nicht vollständigen Aufzählung der Stromerzeugungsmöglichkeiten lässt sich ersehen, dass bei entsprechender politischen Steuerung und der Brechung der Allmacht der Oligarchie der Stromkonzerne eine dezentrale Stromerzeugung in naher Zukunft möglich und sicher ist. Die Stromerzeugung in wenigen zentralen Großkraftwerken erfordert ein Spinnennetz von Höchstspannungsfreileitungen oder Kabeltrassen von Nord nach Süd durch Deutschland und Europa. Diese Netze sind kaum beherrschbar, siehe Witterungswidrigkeiten im November 2005 im Münsterland, was einen Blackout bis nach Italien und Nordafrika zur Folge hatte. Als der Strom an der Westküste der USA von Kanada bis Kalifornien ausfiel erzählten die Stromkonzerne,
- “In Deutschland sei dies nicht möglich“. Aber als die geplante Abschaltung einer 380 kV Freileitung über die Ems für die Passage eines Kreuzfahrtschiffes von Papenburg nach Emden zum Black out führte, hat man den kleinsten Mann am Schaltpult für schuldig befunden: Er hätte ein bisher nicht genutztes Rechenprogramm starten müssen.
Die dezentrale Energieversorgung stellt die Energie weitestgehend vor Ort sicher. Die Höchstspannungsnetze werden für den Ausgleich unter den Anlagen nicht für den Ferntransport benötigt. Das häufig genutzte Schlagwort der Grundlastsicherung für die Industrie darf natürlich nicht vernachlässigt werden. Es werden in naher Zukunft auch weiterhin Großkraftwerke notwendig sein, aber ein Neubau in diesem geplanten Umfang für eine Laufzeit von 40 Jahren ist nicht erforderlich und muss verhindert werden, denn sie verhindert den Ausbau der erneuerbaren Energien. Wie oben bereits angeführt lassen sich kleinere Anlagen regelungstechnisch zu virtuellen Großkraftwerken zusammenschalten. Als Beispiel sei hier der Wandel in der EDV-Technik angeführt. Die Großanlagen für die Datenverarbeitung von IBM wurden durch dezentrale PCs ersetzt. Genauso wie heute das „Online-Banking“ einen Großteil der Bankgeschäfte erledigt, können viele BHKWs die Grundlast sicherstellen. Die heute nur für die Wärmeerzeugung in den Haushalten genutzte Gasmenge kann gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen.
1 Deutsche Umwelthilfe, Rainer Baake, Klimaschutz, Kohle und Atom, Oktober 2007, http://www.duh.de/uploads/media/Klimaschutz_Kohle_und_Atom_Okt_2007_02.pdf
2 Greenpeace, a north sea electricity grid [r]evolution, August 2008, http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/energie/offshorewindgrid_final.pdf